Mittwoch, 3. Juni, 18:00 bis 20:00 Uhr
Eugenische Phantasmen: Die lange Vor- und Nachgeschichte der NS-“Euthanasie”-Morde
Vor Ort · Geschichte
Was haben die „eugenische“ NS-Zwangssterilisierungskampagne und die hunderttausendfachen „Euthanasie“-Morde mit der Fantasie zu tun, dass die Deutschen ein starkes, schönes – und nicht zuletzt auch kluges – Volk werden würden, und warum dauerte es so weit in die Nachkriegszeit hinein, bis die Verbrechen an Menschen mit Behinderungen als Verbrechen anerkannt wurden? Die Historikerin Dagmar Herzog verortet die Verfolgung und Ermordung von Menschen mit Diagnosen kognitiver Beeinträchtigung und psychiatrischer Krankheit durch die Nazis in einer weitaus längeren Geschichte der Verachtung gegenüber Schutzbedürftigen und dem Versprechen nationaler Größe, das den Aufstieg der Nazis zur politischen Macht mit ermöglichte. Auf der Grundlage einer Fülle seltener Archivbelege untersucht Herzog auch die ambivalente Verstrickung jener Fachleute aus Medizin, kirchlicher Wohltätigkeit und Pädagogik, die in erster Linie für die Bereitstellung von Unterstützung verantwortlich waren. Doch für jede Ära hebt sie auch Gegenstimmen hervor, die einfallsreich und mutig Widerspruch eingelegt haben, und zeichnet die langwierigen Kämpfe um die Etablierung einer Behindertenrechtsbewegung nach, die sich einem revolutionären neuen Menschenbild, der Förderung von Würde und Gerechtigkeit sowie neuartigen Praktiken von Care und Bildung verschrieben hat.
- Ort
- Universität Bremen, Gebäude GW2, Raum B3009, GW2, Universität Bremen, 28359, Bremen
- Veranstaltet von
- Dagmar Herzog
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