Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten faschistischer Gefahr
„Lehre und Studium sollen den Studenten […] zu verantwortlichem Handeln in einem freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat befähig[en]“ (Hochschulrahmengesetz (HRG), § 7 – Ziel des Studiums)
Warum “Wissenschaft gegen Faschismus”? Als Zusammenschluss aus Professor*innen, Dozierenden, Verwaltungsmitarbeitenden und Studierenden sind wir uns bewusst, dass jegliche Zuspitzung zu scheinbaren Verkürzungen führt.
Angesichts der gegenwärtigen politischen Entwicklungen wird in unterschiedlichen disziplinären Kontexten diskutiert, ob und inwiefern der Faschismusbegriff den aktuellen Ist-Zustand akkurat beschreibt. Auch stellt sich bei seiner Verwendung immer wieder eine strategische und definitorische Frage: wenn wir die zutiefst autoritären Züge der aktuellen Verhältnisse bereits als faschistisch beschreiben, welche Begrifflichkeiten und Bezüge bleiben uns, wenn sich die Situation weiter zuspitzt? Der Begriff der Faschisierung, der die Prozesshaftigkeit eines Systems- und Kulturwandels hervorhebt, stößt in Anbetracht dieser Debatten auf große Resonanz.
“Wissenschaft gegen Faschismus” möchte Räume für diese Debatten schaffen und Lehrende, Mitarbeitende und Studierende dazu einladen, universitäre Institutionen zu öffnen, um mit einer breiteren Zivilgesellschaft über genau diese Fragen zu diskutieren. Ziel ist es, eine Betrachtung der Gegenwart vorzunehmen und die Bedingungen, Reichweiten und Grenzen unterschiedlicher Analyseperspektiven und deren Ableitungen für unser gemeinsames Handeln kritisch zu prüfen und zugänglich zu machen.
Die Aktionswoche steht daher unter dem Leitmotiv: Verantwortung in Zeiten faschistischer Gefahr. Damit rücken wir die spezifische Verantwortung von Wissenschaftler*innen in den Mittelpunkt. Wissenschaft ist nicht nur Beobachterin gesellschaftlicher Prozesse, sondern auch in diese eingebunden. In Situationen, in denen sich autoritäre Tendenzen verdichten, gewinnt ihre Rolle in der Analyse, Kontextualisierung und öffentlichen Einordnung an besonderem Gewicht.
Die Aktionswoche versteht sich entsprechend als Forum für eine reflektierte und kontroverse Diskussion: Welche heuristischen Begriffe sind geeignet, gegenwärtige Entwicklungen zu erfassen? Welche historischen Analogien sind erkenntnisfördernd – und wo drohen sie zu verkürzen? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für wissenschaftliche Praxis und gesellschaftliche Verantwortung? Was gilt es zu tun, um Demokratie, für die Wissenschaft, Bildung und faktenbasierter Diskurs eine entscheidende Rolle spielen, vor erstarkenden rechten Kräften zu schützen und weiter auszubauen.
Wir laden insbesondere Kolleg*innen ein, sich an dieser notwendigen Debatte zu beteiligen: um Orte der Bildung für eine so gesellschaftlich relevante Diskussion zu öffnen und gemeinsam Wege zu erörtern, wie autoritäre Verhältnisse überwunden, die faschistische Gefahr überkommen oder der Faschismus bekämpft werden kann.